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„He loves to drive 'em crazy with his evil lips / Great guns are blazing, what a deadly trip“ – mit diesen Zeilen beginnt die Single „Demon Fire“ von AC/DC und spätestens, wenn Brian Johnson zwei Sätze später in sein hochtöniges Knurren verfällt, könnte man meinen, er selbst spucke hier das „Demon Fire“. In dem blutrot gefärbten Videoclip, der wie ein gutes Playstation-Spiel aussieht, rast ein schnittiger Ami-Schlitten über den Highway Richtung „Hell“, wo natürlich auf halber Strecke ein Plakat von Angus Young zu sehen ist, der gerade mit den Fingern seine Teufelshörner zeigt. 

Keine Frage, wenn die australische Rock-Instanz sich noch einmal aufschwingt, werden altbekannte Pfade und Highways befahren und Motive bedient, die jede traditionelle Rockband schon mal besungen hat. Aber genau dafür schätzt man ja AC/DC, die im November zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder ein neues Album veröffentlichten – in einem Jahr, in dem auch ihr vielleicht bestes und auf jeden Fall erfolgreichstes Album „Back in Black“ sein 40. Jubiläum feierte. 

Dabei war lange nicht klar, ob die Band jemals wieder neue Musik veröffentlichen wird. Brian Johnson musste lange Zeit pausieren, weil ihm ein totaler Verlust seiner Hörfähigkeit drohte, was zu der seltsamen aber erstaunlich gut funktionierenden Kombination führte, dass AC/DC mit Guns’n’Roses-Sänger Axl Rose auf Tour gingen. Außerdem verstarb Gründungsmitglied Malcolm Young, der als Gitarrist und Haupt-Songwriter den AC/DC-Sound maßgeblich prägte. Aber dann halfen neue, technisch bessere Hörgeräte Johnson dabei, wieder als Sänger auftreten zu können – und Angus Young und er spürten: Da geht noch was! Was dann sogar Bassist Cliff Williams wieder überzeugte, der 2016 ausgestiegen war, weil er schlichtweg das Rentner-Dasein genießen wollte. 

Dem amerikanischen Rolling Stone sagte Angus Young im Interview: „Es war ein langer, langer Weg, bis wir wieder zueinander gefunden hatten. Aber es ist toll, dass alle wieder an Bord sind und wir ein wenig neuen Rock’n’Roll in die Welt bringen können. Zu dieser Zeit, mitten in einer Pandemie, macht es den Menschen hoffentlich ein wenig Freude.“ Das Album sei dabei vor allem seinem verstorbenen Bruder gewidmet: „Es ist ein Tribute, so wie ‚Back in Black‘ ein Tribute für Bon Scott war.“ Malcolm Youngs Tod war nämlich schon der zweite dramatische Todesfall in der seit 1973 währenden Bandhistorie von AC/DC. Der ehemalige Sänger Bon Scott verstarb 1980, ein Jahr nach ihrem damals erfolgreichsten Album „Highway To Hell“. Dass AC/DC danach weitermachten und mit Nachfolger Brian Johnson dank „Back In Black“ gar noch größer wurden, hätte damals kaum jemand gedacht. 

„Demon Fire“ ist deshalb ein guter Beleg, dass es die betagten Herren noch immer draufhaben, diese stoischen, eingängigen, mitreißenden Rocknummern zu schreiben, die sie mittlerweile seit fast über 45 Jahren verlässlich abliefern. Auch der kommerzielle Erfolg gibt ihnen Recht: „Power Up“, das mittlerweile 17. Studioalbum, verharrte 4 Wochen am Stück auf Platz 1 der deutschen Album-Charts und sammelte auf der ganze Welt Pole Positions. Hoffen wir also drauf, dass AC/DC noch eine Weile weitermachen und wir zumindest noch eine Jubiläumstour zum 50. erleben dürfen.