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Street Ray
20.01.07
In England haben motorisierte Dreiräder – so genannte Three Wheeler – schon lange Tradition. Aber auch hierzulande hat diese seltene Gattung zahlreiche Fans. Zum Beispiel in Plankstadt bei Heidelberg. Dort haben sich ein paar hartnäckige Enthusiasten mit viel Erfindergeist und noch mehr Know How zusammengetan, um ein Dreirad der etwas anderen Art zu bauen – pur und ganz ohne Fahrhilfen. Herausgekommen ist der Street Ray.
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"Was ist denn das?" - eine Frage, die sich jeder stellt, an dem der Street Ray vorbeihuscht. Eine zackige Mischung aus Bob und Abfangjäger, bei der man sich verwundert die Augen reibt. In dem 350 Kilo leichten Vehikel arbeitet ein Einzylinder mit einem halben Liter Hubraum und 40 PS. Das genügt für 140 km/h Spitze. Erbauer und Testfahrer Martin Preuss kam es bei dem Einsitzer vor allem auf problemloses Handling an: Martin Preuss, Street Ray-Erbauer: "Lässt sich von Jedermann handeln, hat nur einen Vorwärts- und einen Rückwärtsgang, man braucht nicht schalten. Gewöhnungsbedürftig ist, dass die Bremse mit dem linken Fuß betätigt wird, aber nach kurzer Zeit ist man das gewohnt."
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Das Ding aus einer anderen Welt: das Design des Street Ray – zu Deutsch: "Straßen-Rochen" – stammt aus der Feder von Altmeister Luigi Colani. Keine hässlichen Rückspiegel stören die Linien der GfK-Außenhaut. Stattdessen projiziert eine Kamera im Heck alles, was sich "achtern" befindet, auf ein Display im Cockpit. Das linke Bedienelement stammt vom Motorrad.
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Na gut, der Sound ist vielleicht etwas mager. Dafür trägt der komplette Street Ray den offiziellen Segen des TÜV. Martin Preuss hat sich einen Traum erfüllt. Dabei hilft es, dass er eine Firma für Metallverarbeitung besitzt. Am "nackten" Chassis kümmert sich Kfz-Meister Ralf Seitz um das Fahrwerk. Ein einzelnes Federbein übernimmt vorne die Dämpfung für beide Räder. Eine ausgefallene Konstruktion, die aber ihren Sinn hat, denn auf gar keinen Fall darf das Dreirad in Kurven umkippen. Ralf Seitz, Fahrwerksspezialist: "Deswegen haben wir uns für diese Aufhängung entschie-den, was praktisch einen Stabilisator ersetzt, also das Fahrzeug braucht keinen Stabilisator. Leidet halt dadurch drunter etwas am Komfort, liegt halt aber wie ein Brett auf der Straße dadurch und hat praktisch keinerlei Seitennei-gung dadurch in der Kurve."
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Erfahrungen sammelte Seitz im Dragster-Rennsport. Da geht es aber nur geradeaus. Trotzdem schlägt der Street Ray ansatzlos Haken wie ein Karnickel auf der Flucht. Von "Federung" zu sprechen, wäre übertrieben: das Ding ist bretthart. Dafür begeistert der Street Ray mit echtem Go-Kart-Feeling. Standfeste Scheibenbremsen – natürlich ohne ABS - stauchen ihn zuverlässig zusammen. Der Lenkung genügt eine Umdrehung von Anschlag zu Anschlag. Rechts Gas, links Bremse - genau wie im Kart. Den Einzylinder samt stufenlosem Getriebe stiftet ein Piaggio-Roller. Auch hinten zwei Räder – und trotzdem ein Dreirad. Auflage: eine Starrachse und maximal 46 Zentimeter Abstand von Reifenmitte zu Reifenmitte.
14 Monate dauerte die Entwicklung – und sie wird weiter verfeinert. Martin Preuss: “Es ist ‘ne zweite Version geplant von dem Street Ray, die einen stärkeren Motorradmotor besitzen wird, aber die Grundkonzeption wird in etwa bleiben. Die Karosserie wird sich dann ändern, wird etwas aggressiver aussehen und etwas mehr Leistung." "Etwas mehr" ist allerdings leicht untertrieben: die nächste Street-Ray-Generation befeuert ein Vierzylinder-Motorrad-Motor mit über 170 PS. Da beklagt sich dann wohl keiner mehr über mangelndes Temperament. Eher schon darüber, dass auch der Über-Street-Ray ohne Fahrhilfen auskommen muss. Aber man stelle sich nur mal vor, der Straßen-Rochen hört sich endlich genauso so schnell an wie er aussieht. Übrigens: innerhalb der EU unterliegen solche dreirädrigen Fahrzeuge oder Trikes keiner Leistungsbeschränkung. Vom Street Ray mit dem 40 PS-Roller-Motor ist eine Kleinserie geplant. Zum Stückpreis von rund 25.000 Euro darf man in dem exklusiven Gefährt Platz nehmen.
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